Taube, Stier und Ungeheuer

Manifestationen des Göttlichen im Tier von Mesopotamien bis Italien

[Dove, bull and dragon. Divine representations of animals between Mesopotamia and Italy]

Interdisziplinarer Lektüre-Blockkurs. Findet teilweise in Fribourg statt (Kooperation mit dem Bibel+Orient-Museum).

Freitag, 13.3. 14–18 Uhr, Samstag 14.3. 10–14 Uhr. Freitag 17.4. 14–18 Uhr, Samstag 18.4. 10–16 Uhr. Freitag 8.5. 14–18 Uhr, Samstag 9.5. 10–16 Uhr

Die Vorstellung, dass Gott etwas mit Tieren zu tun hat, ist uns fremd. Das Tier gilt als irrational und vernunftlos und scheint von daher gleichsam kategorisch von der Sphäre des Göttlichen, das immer auch als vernünftig gilt, getrennt zu sein. Die einzige Kultur, welche keine Grenze von Tier und Gott kennt, ist die ägyptische, die bekannt ist für tiergestaltige Götter. Doch nicht nur in Ägypten, sondern auch in der Bibel, sowohl im Alten wie im Neuen Testament und sogar in Mythen der Griechen und Römer finden sich Hinweise darauf, dass man die Bereiche des Göttlichen und des Tierischen nicht als getrennt und unvereinbar miteinander gesehen hat, oder anders gesagt: dass es Beziehungen bestimmter Götter zu bestimmten Tieren gibt, dass sich bestimmte Götter bevorzugt in bestimmten Tieren manifestieren. Über eine Lektüre von Sagen, die Ovid in den Metamorphosen erzählt (die Entführung Europas, Perseus Kampf gegen das Seeungeheuer und Apollons Kampf gegen die Pythonschlange) und von weiteren Texten klassischer Autoren sowie von biblischen Texten (das Goldene Kalb, Jonas im Bauch des Seeungeheuers, die Erscheinung der Taube bei Jesus’ Taufe) wollen wir zu Grunde liegende Vorstellungen von Manifestationen des Göttlichen im Tier kennen lernen. Ergänzt werden die Texte durch bildliche Darstellungen, die aus Ägypten, Israel und Mesopotamien erhalten sind. Es zeigt sich, dass die unterschiedlichen Kulturen des östlichen Mittelmeerbeckens und des nahen Ostens aus dem gleichen Fundus an Vorstellungen schöpfen und das Faszinierende ist, dass die Bezüge Gott-Tier über die Sprach- und Kulturgrenzen dieselben sind. So gibt es z. B. einen Bezug zwischen dem Stier und dem höchsten Gott, ob dies nun Zeus, Jahwe oder sonst jemand ist. Sowohl für fortgeschrittene Studierende der ~phil.-hist.-Fakultät als auch für fortgeschrittene Studierende der Theologie (ANEC und BENEFRI). Latein- und Griechisch-Kenntnisse obligatorisch, Schwerpunkt in Latein. Erwartet wird eine aktive Teilnahme insbesondere das Übersetzen der Texte. Vor Semesterbeginn ist ein Reader auf ILIAS verfügbar, der als Vorbereitung für die erste Sitzung dient.

Dozierende:
Dr. phil. Beatrice Wyss, Institut für Bibelwissenschaft, Neues Testament
Florian Lippke, Institut für Archäologische Wissenschaften (IAW)
Dr. theol. Zbyněk Garský, Institut für Bibelwissenschaft, Neues Testament

Weitere Informationen: Kommentiertes Vorlesungsverzeichnis der Universität Bern

Biblia Sacra

Zusammen mit der Firma 5D-Software und dem Institut für komparative Linguistik der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität Prag Mitwirkung am Projekt der mehrsprachigen elektronischen Bibel Biblia Sacra mit Texten in Tschechisch (Bible Kralická), Englisch (King James Version), Griechisch (LXX, Novum Testamentum Graece) und Latein (Vulgata).

Projektseite: http://www.5d.cz/bible.htm

Publikationen

Biblia Sacra

Biblia Sacra, CD-ROM, Praha 1995, http://www.5d.cz/bible.htm.

Elektronická Bible

Elektronická Bible [Electronic Bible] [Elektronische Bibel], in: Věda, technika a my [Science, Technics and us] [Wissenschaft, Technik und wir], 5/1996, 27–29, ISSN 1210-0897, http://www.vtm.cz/ [Download PDF].

Das Wirken Jesu in Galiläa bei Johannes (WUNT II/325)

Buch

Das Wirken Jesu in Galiläa bei Johannes. Eine strukturale Analyse des vierten Evangeliums mit den Synoptikern, WUNT II/325, Tübingen 2012, ISBN 978–3–16–151720–4, http://www.mohr.de.

Abstract: Das Verhältnis des Johannesevangeliums zu den Synoptikern gehört seit Origenes zu den größten Problemen der Evangelienexegese und nach der Auflösung des seit P. Gardner-Smith bestehenden Konsenses steht es heute vor einer Neubestimmung. Zu dieser will auch der Autor des vorliegenden Buchs beitragen. Zbyněk Garský analysiert mit neueren textlinguistischen Methoden die intertextuellen Bezüge des vierten Evangeliums zu den Synoptikern und zeigt am Beispiel des Wirkens Jesu in Galiläa bei Johannes, dass die Lösung des Origenes im Grunde der Intention des Johannes entspricht. Der vierte Evangelist ist ein aufmerksamer Exeget der Synoptiker und schreibt sein Evangelium in einem literarischen Gespräch mit den drei älteren Evangelien, die er dabei einer allegorischen Relektüre unterzieht. Diese intertextuelle Schreibweise lässt sich mit dem von U. Eco geprägten Begriff als „intertextuelle Ironie“ bezeichnen und stellt ein seit der Antike bekanntes Phänomen dar, das die Allegorie und Allegorese kennzeichnet.

English

Das Wirken Jesu in Galiläa bei Johannes. Eine strukturale Analyse des vierten Evangeliums mit den Synoptikern [The Ministry of Jesus in Galilee in the Gospel of John. A Structural Analysis of the Intertextuality of the Fourth Gospel with the Synoptics], WUNT II/325, Tübingen 2012, ISBN 978–3–16–151720–4, http://www.mohr.de.

Abstract: The relationship of John’s Gospel to the Synoptics has been one of the major problems of gospel exegesis since Origen. Today, after the dissolution of the consensus which has ruled in biblical studies since P. Gardner-Smith, this relationship is in need of redefinition, to which the author of this book wishes to contribute. Zbynĕk Garský analyzes the intertextuality of the Fourth Gospel with the Synoptics by using new methods of text linguistics and by showing through the example of Jesus’ ministry in Galilee in the Gospel of John that the solution of this issue by Origen in fact corresponds to John’s intention. The fourth evangelist is a careful exegete of the Synoptics and wrote his gospel in a literary dialogue with the three older gospels, which he rereads allegorically. This kind of intertextual writing can be described as “intertextual irony,” a term established by U. Eco, a well-known phenomenon since antiquity which characterizes the allegory and allegorizing.

Die Bilder zum Buch: Vincent van Gogh & Paul Gauguin

Das Café im französischen Arles im Herbst 1888 von Vincent van Gogh (links) und Paul Gauguin (rechts):

Quelle:

  • Vincent van Gogh (1853-1890), Das Nachtcafé, Arles, September 1888, Öl auf Leinwand, 72 x 92 cm, Yale University Art Gallery, New Haven, Connecticut [© 2011 Yale University – used by permission].
  • Paul Gauguin (1848-1903), Im Café, Arles, November 1888, Öl auf Leinwand, 72 x 92 cm, Staatliches Museum für Bildende Künste A. S. Puschkin, Moskau [Wikimedia Commons].

Rezensionen | Reviews

Recherches de Science Religieuse, 103 (2015), 257–286 (Michèle Morgen)
Biblische Notizen 163 (2014), 146–147 (Michael Ernst).
Biblica 95 (2014), 462–465 (Maurizio Marcheselli).
Zeitschrift für Katholische Theologie 136 (2014), 326–327 (Veronika Burz-Troppe).
Review of Biblical Literature 6 (2014), Download PDF (Jeffrey M. Tripp).
Das Heilige Land Heft 1 (2014), 69 (Marco Petrelli).
Collectanea Theologica 83 (2013), 224–227 (Bartosz Adamczewski).
Theologische Revue 109.4 (2013), 289–290 (Hans Förster).
Theologie und Philosophie 88.2 (2013), 299–301 (Johannes Beutler).
Journal for the Study of the New Testament 35.5 (2013), 73–74 (Pieter J. Lalleman).
New Testament Abstracts 57.1 (2013), 171.
Filologia Neotestamentaria 25 (2012), 176.